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Der Strandfischer : nach einer wahren Begebenheit seinen jungen Freunden erzählt / von Franz Hoffmann
Entstehung
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Schweſterchen zu ſtatten kommen. Das iſt wahrlich Lie geſegnete Botſchaft inmitten aller Hoffnungsloſig⸗ eit!«

Agathe traute ihren Ohren nicht, ſie mußte ſelbſt ſehen, ſelbſt leſen. Freudenthränen ſchoſſen aus ihren Augen, und nur Ein Umſtand dämpfte das ſelige Ge⸗ fühl ihres Glückes, das ſie beinahe überwältigte. Der alte, wackere Profeſſor ſchrieb, Adolph dürfe nicht ſäu⸗

men, die Reiſe nach Petersburg unverzüglich anzutre⸗

ten, denn der Graf ſei ſeiner Dienſte benöthigt und dringe auf ſchleunigſte Ankunft..

Alſo Trennung, baldige, ſofortige Trennung! Das war der Wermuthtropfen in dem vollen Becher der Freude.

Was thut es, Schweſterchen!« tröſtete Adolph. Die Trennung wird, ſo hoffe ich, nur kurz ſein. Wenn ich die Verhältniſſe in Petersburg erſt kennen gelernt und mich eingerichtet habe, ſo folgſt du mir nach, und wir bleiben dann auf immer vereinigt. Laß dir alſo die Freude nicht durch ſchmerzliche Gedanken trüben, ſondern blicke über die Trennung hinweg auf das baldige, frohe, glückliche Wiederſehen. Genug und übergenug, daß wir jetzt aller drückender Sorgen über⸗ hoben ſind. Mein väterlicher Freund ſchreibt mir, daß ich die Hälfte meines Jahrgehaltes als Reiſegeld ſofort erheben könne, ich theile es mit dir und kann dann, beruhigt über deine nächſte Zukunft, leichten Herzens meiner Beſtimmung entgegen gehen.

Das Anerbieten, als Privat⸗Sekretär in die Dienſte eines reichen und mächtigen Herrn zu treten, war in der That zu lockend, als daß, beſonders in der be⸗ drängten Lage der Geſchwiſter, nicht jede andere Ruͤckſicht