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ſchwere Zweifel zu hegen, ob auch die Hoffnungen des Bruders ſo ſchnell ſich verwirklichen würden, als er wünſchen mußte, aber einſtweilen verbarg ſie ihre ban⸗ gen Ahnungen tief im Herzen, und gab ſich den An⸗ ſchein, als ob ſie wie der Bruder mit Vertrauen in die Zukunft blickte.
Die Geſchwiſter richteten ſich ein, ſo gut es gehen wollte. Eine kleine Wohnung in der Vorſtadt mit billigem Miethzins war bald gefunden, Agathe ſtickte, nähte, ſtrickte für andere Leute, und Adolph gab ſich die erſinnlichſte Mühe, irgendwo eine Anſtellung aus⸗ findig zu machen. Er wäre mit der kleinſten zufrieden geweſen; aber auch nicht die kleinſte, nicht einmal ein Schreiberpoſten bei einem Advokaten wollte ſich ihm darbieten. Agathe ſeufzte, der Bruder zog ein finſteres Geſicht,— aber das änderte nichts in der Sache, und kein Sonnenſtrahl wollte die dunkeln, ſchweren Wolken,
die den Lebenshimmel der Geſchwiſter verfinſterten, mit
einem freundlichen Strahle durchbrechen. Agathe ver⸗ doppelte ihren Fleiß, Adolph ſeine Bemühungen, und doch machte der Sommer dem Herbſte Platz, und die Zugvögel flogen nach Süden, ohne daß irgend eine der beſcheidenen Hoffnungen Adolphs in Erfüllung gegan⸗ gen wäre. Eben heute war er nun nach einem Dorfe gewandert, wo, wie er gehört hatte, der Gerichtsaktuar eines Schreibers bedurfte, und Agathe erwartete von Minute zu Minute ſeine Rückkehr.
Wenn Apdolph auch dieſen Gang vergeblich machte, wenn er auch dieſe Stelle nicht bekam, dann ſah es in der That traurig für die armen Geſchwiſter aus. Der Winter war vor der Thür, die kleinen Reſte der väter⸗ lichen Erbſchaft nahten ſich ihrem Ende, beſſere Ausſichten


