2
der gute, arme Adolph! Wenn er nur nicht von Neuem wieder vergebens gegangen iſt!“
Mit einem halb unterdrückten Seufzer ſtand Agathe auf, warf noch einen letzten, forſchenden Blick auf die ſtille, öde Straße hinaus, und als ſie auch jetzt noch nicht die erwartete, wohlbekannte Geſtalt ihres Bruders erblickte, verließ ſie das kleine Zimmer, und ging in die Küche, um wie immer ſo auch heute für den kärg⸗ lichen Mittagstiſch Sorge zu tragen.
Adolph und Agathe waren die Kinder eines braven, rechtſchaffenen Beamten, der ihnen nach ſeinem Tode wenig mehr hinterlaſſen hatte, als ſeinen ehrlichen Na⸗ men und eine gute Erziehung. Als der Vater ſtarb, befand ſich Adolph in Göttingen, wo er ſein letztes Studienjahr zubringen mußte. Sein kleines Erbtheil reichte eben aus, die Koſten deſſelben zu beſtreiten, und nach wohlbeſtandenem Examen eilte er mit einem Schatze gediegener Kenntniſſe im Kopfe, aber mit einem faſt leeren Geldbeutelchen in der Taſche ſeiner Heimath zu, einer kleinen Landſtadt in Norddeutſchland, wo die Schweſter Agathe als einſame Waiſe zurückgeblieben
war.
„Muth, Schweſterchen!“ ſagte Adolph, als ihm Agathe mit weinenden Augen ihre Sorgen anvertraute, die ſeit dem Tode des Vaters ihr Herz bedrückten,— „Muth! Wir ſind freilich arm, ſehr arm, aber Gott verläßt nicht die zu ihm rufen, und du mußt nicht ver⸗ geſſen, daß ich das Meinige redlich gelernt habe! Ich werde arbeiten, über kurz oder lang wird ſich auch eine
Anſtellung für mich finden, und dann iſt ja uns Bei⸗ den geholfen.“
Agathe ſchüttelte zwar leiſe das Köpfchen und ſchien


