121
Wort an ihn richtete.„Der Menſch iſt ein Lügner und Betrüger!“
„Du biſt es, der gelogen und betrogen hat,“ er⸗ wiederte Graf Brutterode ſtreng und ſtreckte drohend den Arm gegen ſeinen Neffen aus.„Hier ſteht Edgar, der Sohn meines Sohnes, der Erbe meines Namens!“
„Edgar iſt todt! Das Zeugniß der Kirche be⸗ weiſt es!«
„Edgar lebt! Das Zeugniß, auf das du dich be⸗ rufſt, iſt falſch!« entgegnete der Greis.„Wir wiſſen Alles, und dir bleibt nichts übrig, als Bekenntniß und Reue!“
Graf Bodo erbleichte.„Sie wiſſen Alles!« ſtam⸗ melte er.„Ich kam alſo zu ſpät!“
„Ja, Gott ſei Dank, zu ſpät, um ein neues Ver⸗ brechen zu begehen!“ ſagte Graf Brutterode.
Bodo wankte. Plötzlich warf er ſich dem Greiſe zu Füßen und flehte um Gnade.
„Dir Gnade? Und wofür?“ erwiederte der Greis. „Nur der Reue kann Gnade folgen, und noch läugneſt du dein Vergehen!“
„Nein, nein!« rief Bodo aus:„Ich läugne nicht mehr, die Sonne bringt ja doch Alles an den Tag!«
„Wohlan, ſo bekenne, was dich zu der That ge⸗ trieben hat!“ ſprach Graf Butterode.„
Bodo bekannte. Er geſtand, daß Balſer, ſein Die⸗ ner, ihm den erſten Gedanken zu dem Verbrechen ein⸗ gegeben habe, das um ſo leichter und ſicherer aus⸗ geübt werden könne, da man fern von der Heimath ſei und den einzigen Zeugen, den alten Wolf, ohne Müuhe beſeitigen koͤnne, wenn Graf Siegmund erſt ge⸗ ſtorben wäre.


