Druckschrift 
Die Sonne bringt es an den Tag : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

120

Gegend, wo man einſt das Kind gefunden, das Alter des Jünglings, Alles unterſtützte die Annahme, daß er wirklich der Enkel des Grafen ſei, aber doch fehlte noch immer die Gewißheit.

Der Todtenſchein! Der Todtenſchein!« ſagte Graf Brutterode.

»Er iſt gefälſcht, ohne Zweifel!« behauptete Wolf im Tone feſter Ueberzeugung,und es wird nicht ſchwer ſein, dem Betruge auf die Spur zu kommen. Ich werde ſelbſt nach dem Orte reiſen, wo angeblich Edgar geſtorben ſein ſoll, und dann muß ſich ja zeigen, ob der Tod des Kindes auch in die Kirchenbücher ein⸗ getragen iſt.«

»JIch glaube faſt, das wird nicht einmal nöthig ſein,« ſagte Graf Julius, der biſt jetzt ſtill am Fenſter ge⸗ ſtanden hatte.Wenn mich nicht Alles trügt, ſo nahet eben ein Zeuge, deſſen Ausſagen jeden Zweifel ſofort heben können.

Wer iſt es?« fragte der Greis haſtig.

Ihr Neffe, Graf Bodo von Niederberg! Eben ſprengt er auf ſchaumbedecktem Pferde durch das Thor!«

»Das Gewiſſen! Das Gewiſſen jagt ihn!« rief Graf Brutterode aus.Ohne Zweifel hat er erfahren, daß wir hierher gereiſt ſind, und die Angſt, ſeinen abſcheulichen Betrug aufgedeckt zu ſehen, treibt ihn uns nach. Laßt mich machen! Keiner von Euch rede ein Wort! Ich allein werde mit ihm ſprechen!«

Herauf die Treppe kam es mit haſtigen Schritten. Die Thür wurde aufgeriſſen, und Bodo, bleich, athem⸗ los, Furcht, Angſt und Beſtürzung in den Zügen, ſtand auf der Schwelle. es iſt nicht wahr!« rief er, ehe noch Jemand das