Druckschrift 
Die Sonne bringt es an den Tag : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10⁵

ſogar brachte er in dem Gruft⸗Gewölbe zu, wo man die ſterbliche Hülle der jungen Gräfin beigeſetzt hatte, und weinte an ihrem Sarge. Ich bat, ich beſchwor ihn, ſich zu ſchonen, ſeines Knaben zu gedenken, ihm ſich zu erhalten, aber er hörte nicht auf mich, alle meine Worte verweheten wie ein Hauch. So trieb er es fort, und ſchwand dahin wie ein Schatten, bis ich ihn eines Morgens nach einer kalten Herbſtnacht ohn⸗ mächtig von dem Marmorpflaſter der Gruft aufheben und nach Hauſe fahren mußte. Ein böſes Nervenfieber entwickelte ſich in dem erſchütterten Körper und Wochen lang ſchwebte er am Rande des Grabes. In dieſer trauervollen Zeit bewies ſich Graf Bodo wirklich als ein dankbarer und treuer Verwandter. Er und ich, wir wichen nicht von dem Lager des Kranken, bis end⸗ lich nach vielen langen, bangen eſen ann Beffrun eintrat, und Graf Siegmund für jetzt noch einmal dem Tode entriſſen wurde. Aber ſein Körper war zerrüttet, ein böſes Bruſtuͤbel blieb von der Krankheit zurück, und die Aerzte verordneten einen längeren Aufenthalt in einem milderen Klima. Graf Siegmund weigerte ſich zwar, Wien zu verlaſſen, doch wich er endlich den

Bitten ſeines Vaters, und erklärte ſich bereit, nach Nizza

abzureiſen. Nur die eine Bedingung knüpfte er an ſeine Einwilligung, daß man nicht den kleinen Edgat von ihm trennen dürfe. Ungern gab der alte Herr ihm nach, denn er fürchtete nicht ohne Grund, daß der kleine Knabe den Kranken allzu lebhaft an die Verſtorbene erinnere und immer von Neuem den Schmerz um die⸗ ſelbe rege machen würde. Gleichwohl mußte man dem bis zum Eigenſinn geſteigerten Willen meines jungen Herrn nachgeben. Der alte Herr hätte gern ſelber

1