19
auch nur wenige Tage. Ehe eine Woche vergangen war, hatte ſich der alte Schlendrian wieder einge⸗ funden, und Robert, anſtatt auf ſeine Pflichterfül⸗ lung bedacht zu ſein, grübelte darüber nach, wie er Herrn Redlichs Abweſenheit zu ſeinem Vergnügen benützen könnte. Er hatte durchaus nichts Böſes im Sinne, wie er meinte; behüte! Er wollte nur einen oder den andern Abend im Freien zubringen, anſtatt ſich mit den fremden Sprachen herumzuquaͤlen, wie er es nannte, wollte er einen Spaziergang zu ſeiner Erholung machen und das Verſäumte ganz gewiß an den andern Abenden nachholen.
Das waren ſeine Gedanken, und ſie ſchienen ihm ſo unſchuldig, daß er gar kein Bedenken trug, ſie auszuführen, obgleich die leiſe Stimme ſeines Gewiſſens ihm deutlich genug zuflüſterte, daß er im Begriff ſtehe, unrecht zu thun. Er wußte ſie zum Schweigen zu bringen.
Eines Tages, der Geſchäftsfuͤhrer des Herrn Redlich hatte eben das Comptoir auf eine halbe Stunde verlaſſen, trat ein Lehrling aus einem be⸗ freundeten Handlungshauſe herein, um eine Beſtel⸗ lung auszurichten. Als er Robert, mit welchem er ſchon öfters einige Worte geweohſelt hatte, allein ſah,
2**


