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wußte ſchon, daß ihr Herz weicher war, zehnmal wei⸗ cher, als ihre mitunter harten Worte, die niemals böſe gemeint waren, und darum ließ er ſie getroſt bei dem armen Kinde zurück und ging in ſeine Stube, feſt über⸗ zeugt, daß er es keinen beſſeren und ſorgſameren Hän⸗ den anvertrauen könne.
Nach zehn Minuten folgte ihm die alte Chriſtine nach und brachte ihm, was ſie bei der verſtorbenen Frau gefunden hatte. Es war nicht viel, nur ein paar unbedeutende Kleinigkeiten, ein kleines Meſſer mit Horn⸗ griff und einem Silberplättchen, auf welches die Buch⸗ ſtaben A. B. eingegraben ſtanden, ein Fingerhut, ein Nadelbüchschen, ein Zwirnknäuel, und endlich das Wich⸗ tigſte, ein Brief, oder vielmehr nur das Bruchſtück eines Briefes, ſorgſam zuſammengefaltet, aber hie und da in den Falzen ſchon zerriſſen und einzelne Worte halb weggelöſcht, von Thränen wahrſcheinlich, die darauf ge⸗ fallen ſein mochten, und eben, wie geſagt, nur ein Bruchſtück, die Hälfte eines Briefbogens, von welchem die andere Hälfte abgeriſſen war. Dennoch griff Pfar⸗ rer Robin mit Begierde darnach, in der Hoffnung, ir⸗ gend eine Auskunft über den kleinen Knaben und ſeine
arme, geſtorbene Mutter zu finden. Er überflog das
Schreiben mit haſtigem Blicke, legte es dann aber mit einem Seufzer auf den Tiſch vor ſich hin.
„Es iſt nichts, Chriſtine,“ ſagte er.„Meine Er⸗ wartung iſt getäuſcht. Gerade der wichtigſte Theil des Briefes fehlt— iſt abgeriſſen— wahrſcheinlich verlo⸗ ren gegangen. Dieß hier enthält nichts, oder doch nur wenig, was uns auf die Spur helfen könnte.“
„Wer weiß?“ erwiederte die alte Chriſtine.„Laſ⸗ ſen Sie mich auch einmal leſen, lieber Herr Pfarrer!


