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Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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Oder leſen Sie mir's lieber vor, wenn Sie ſo gut ſein wollen. Geſchriebenes kann ich nicht ſo gut entziffern, beſonders Abends bei der Lampe, es blendet mich ſo, das Lampenlicht.

Pfarrer Robin willfahrte der treuen Dienerin, griff noch einmal nach dem Briefe, und las, oft unterbrochen

von der alten Chriſtine, laut und langſam vor, wie folgt:

Mein armes, unglückliches, theures Weib!

Nach jahrelanger, unter wechſelnden Schickſalen ver⸗ lebter Abweſenheit wird mir endlich das Glück zu Theil, dir eine gute und hoffnungsreiche Nachricht von mir geben zu können. Ich habe endlich eine Zuflucht ge⸗ funden, ich kann dir endlich eine neue Heimath bieten, nachdem ich ſo ungerechter Weiſe aus unſerer früheren vertrieben worden bin.

Vertrieben?« ſagte die alte Chriſtine.Ei Herrje, der Vater des Kleinen wird doch kein Verbrechen be⸗ gangen haben?«

»Behüte, ſagte Pfarrer Robin,du hörſt ja, daß er ſchreibt, ungerechter Weiſe vertrieben! Alber laß mich nur weiter leſen.

Und weiter las er: Ja, ich ſchwör' es im Ange⸗ ſichte Gottes, und du weißt es ja auch, unſchuldig vertrieben, unſchuldig verdächtigt und angeklagt, und

Hunſchuldig hingerichtet wahrſcheinlich auch, wenn ich nicht noch zur rechten Zeit mein Pferd geſattelt und die

7 Flucht ergriffen hätte. Du weißt, daß es meine Ab⸗

ſicht war, nach England zu entfliehen, und ich wählte den Weg über Hamburg, weil mir dort ein guter

Freund lebte, dem ich mich anvertrauen konnte. Mit Barmherzigkeit. 2