noch nie ſo wohl befunden habe, als bei der jetzigen, beſchränkten Lebensweiſe. Die Freuden Erichs wurden bald auch die ſeinigen. Er fand Genuß an der Arbeit, doppelten Genuß an einem Spaziergange, den er ſich täglich in Geſellſchaft Erichs und des Meiſter Hell⸗ muth zu machen gewöhnte, und wie ſein Reichthum an Kenntniſſen, an Kraft und Geſundheitsfülle zunahm, lernte er auch den Reichthum jener kleinen Freuden kennen, die Erich ihm dereinſt ſo geprieſen hatte. Mit anderen Augen, als früher, ſah er die Schönheiten der Natur, den Aufgang und Untergang der Sonne, das funkelnde Heer der Sterne, den grünen Wald, die blitzenden Wellen des Fluſſes. Die Selbſtüberwindung
ſogar, zu der er ſich in Folge ſeiner beſchränkten Um⸗
ſtände gezwungen ſah, wurde für ihn zu einer unge⸗ trübten Quelle der reinſten Freude. Mäßigkeit zu üben, wurde ihm zum Genuß; die Arbeit, vor der er ſonſt wohl zuweilen eine gewiſſe Scheu gehabt, wurde ihm ein Vergnügen. Er ſah ein, daß der eigentlichen Bedürfniſſe der Menſchen nur wenige ſind; denn die Natur, ſo lange ſie einfach und unverdorben iſt, läßt ſich an Geringem genügen, und die Geſundheit, der
außeren Güter köſtlichſtes, iſt und bleibt um ſo friſcher
und blühender, je regelmäßiger und frugaler die Lebens⸗ weiſe iſt. Man kann dabei nur gewinnen; denn dem geſunden Armen und Hungrigen mundet und ſchmeckt die gewöhnliche alltägliche Speiſe beſſer, als die ſeltene, viel gewürzte dem Reichen und Mächtigen. Die Natur gleicht jeden Unterſchied aus, und Luther ſagt eben ſo wahr als einfach:„Was der liebe Gott nicht am Bette gibt, gibt er am Schlafe.“« Sattheit und Trägheit fühlt ſich unbehaglich, und kein Menſch iſt ärmer und 8 3
Der Segen.


