müthig einen für ihn unglücklichen Zufall benutzt habe. Wenn ich das Mißverſtändniß aufklären könnte, würde Alles ſogleich anders und beſſer zwiſchen uns ſtehen. Aber auf welche Weiſe ſoll ich dieß erreichen? Ich ſehe keine Möglichkeit dazu, da Paul völlig entſchloſſen ſcheint, keinerlei Annäherung von mir zu geſtatten.“
„Nun, wo Menſchen nicht helfen können, hülft Gott, ſagte Anna hierauf nach kurzem Beſinnen. „Genug, daß du das Bewußtſein in dir trägſt, beſſer gehandelt zu haben, als Paul dir zutraut. Gräme und kümmere dich alſo weiter nicht, Bruder. Der Segen Gottes kann dir ja nicht fehlen, und du weißt wohl, Gottes Segen macht reich, reich an Kraft, reich an Hoffnung, reich an Vertrauen; dieß, meine ich, ſei der beſte Reichthum auf der Welt. Was hälfe es dir, wenn du die ganze Welt gewänneſt, und nehmeſt doch Schaden an deiner Seele? Nein, nein, ſei getroſt, mein guter Bruder! Dein gutes Gewiſſen haſt du gerettet, und daneben iſt alles Andere gering zu achten. Aber warum fährſt du plötzlich zuſammen 2 Was er⸗ ſchreckt dich?“
„Da kommt der Vater,“ antwortete Erich leiſe mit gepreßter Stimme.„Nun werden wir hören, was ſeine Fuͤrſprache geholfen hat.“
Anna warf einen hurtigen Blick durch's Fenſter, dem ſie bis jetzt den Rücken zugekehrt hatte.„Und du zweifelſt noch, daß Alles gelungen iſt?« ſagte ſie dann raſch und mit freudeſtrahlendem Blicke.„Sieh doch nur, wie ſtattlich der Vater einherſchreitet und wie freundlich er zu uns herauf lächelt! So freue dich doch, Bruder! Alles geht gut, und gewiß viel beſſer, als du gehofft haſt.“


