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zend zur Mutter und Schweſter:„Es wird nichts nützen! Ich habe wenig Hoffnung.“
„Und warum?« entgegnete die Mutter.„Ich hoffe das Beſte, denn der Vater iſt beim Herrn Präſidenten gut angeſchrieben und hat ſchon manche Gunſt von ihm genoſſen. Getroſt, lieber Sohn! du wirſt ihn bald mit frohem Geſicht zuruͤckkommen ſehen!“
Erich ſchüttelte den Kopf und ſchien große Luſt zu haben, ſeine Zweifel noch unzweideutiger auszuſprechen; aber er beſann ſich raſch eines anderen, und erwiederte ſanft und gefaßten Muthes:„Nun, liebe Mutter, wie auch die Entſcheidung ausfallen möge, wir wollen uns auf keinen Fall von ihr entmuthigen laſſen, ſondern un⸗
ſer Vertrauen auf Gott ſetzen. Er weiß am beſten,
was uns gut und heilſam iſt. Wenn der Vater un⸗ verrichteter Sache zurückkehrt, wollen wir uns mit der Ueberzeugung tröſten, daß Gott ſelbſt mir den Weg des Lebens vorzeichnet, den 1 gehen ſoll. In das Noth⸗ wendige und Unvermeidliche muß der Menſch ſich fügen, ohne zu klagen oder zu murren.“
„»Wohl geſprochen, lieber Sohn!“ entgegnete die Mutter.„Aber bei alledem wäre es doch gut, wenn deine Standhaftigkeit auf keine allzuharte Probe geſtellt würde. Ich für mein Theil fürchte das übrigens nicht, ſondern hoffe das Beſte.“
Erich gab keine Antwort, als ein leiſes Achſelzucken,
woorauf er ſich ſtill an das Fenſter ſetzte und auf die
Straße hinaus blickte Die Mutter verließ bald darauf das Zimmer, um einige häusliche Geſchäfte zu beſor⸗ gen, und Erich blieb mit ſeiner Schweſter allein. Anna deobachtete den Bruder einige Augenblicke; er ſaß in tiefem Sinnen, allein mit ſeinen Gedanken beſchäftigt,


