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Der Segen des Herrn macht reich ohne Mühe : Sprw. 10, 22 ; Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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verſiegte der Quell ſeiner Thränen. Er richtete ſich auf, blickte mit feuchten Augen umher, und lächelte. Ungeſtümes thörichtes Herz, ſagte er zu ſich ſelbſt, kannſt du noch immer nicht lernen, dich zu beherr⸗ ſchen? Was iſt denn weiter eine Hoffnung weni⸗ ger! Der Vater würde mich belächeln, wenn er mich ſo geſehen hätte, wie ich noch eben da lag. Muth, Muth und Zuverſicht! Alles kommt aus den Händen des Herrn, und was von ihm kommt, muß ja wohl auf irgend eine Weiſe zum Segen gereichen! Ich will heimkehren, und keine Miene ſoll dem Vater verrathen, welchen Kampf ich mit dem Schmerze über meine ver⸗ nichteten Hoffnungen beſtanden habe. Warum auch? Bin ich denn nicht als Sieger aus ihm hervorgegan⸗ gen? War ich nicht ſtärker, als er, da ich ihn doch überwältigen konnte! Geduld, Geduld! Noch Eine Hoffnung freilich die letzte und ſchwächſte iſt ja geblieben. Laß ſehen, ob nicht dem Vater gelingt, was mir ſo gänzlich fehlgeſchlagen iſt. Hoffen auf Gott, und warten auf die Zeit das ſei mein Wahlſpruch ja, Hoffen und Warten!

Beruhigt und gekräftigt im innerſten Gemüth erhob er ſich vollends und ſchritt durch das Wäldchen lang⸗ ſam der Stadt zu. Ueber ihm glänzte die Sonne, um

ihn zwitſcherten die Vögel, und der Wind ſaäuſelte lieb⸗

lich in den rauſchenden Blättern. Die ganze Natur war voll Freude und Heiterkeit, und, ohne daß Erich es wußte oder ahnte, flößte ſie ihm dieſelben Empfin⸗ dungen ein. Ohne eine Spur von dem überwundenen Schmerze zu verrathen, konnte er bei der Heimkehr den Seinigen mittheilen, daß der Herr Superintendent ſeine