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Der Segen des Herrn macht reich ohne Mühe : Sprw. 10, 22 ; Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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eine verabſchiedende Bewegung mit der Rechten, und komplimentirte auf dieſe Weiſe den völlig beſtürzten Jüngling hinaus. Die Thür ſchlug zu, und Erich ſtand auf dem Corridor zitternd vor Scham und Schmerz, betäubt, ſinnlos, außer aller Faſſung. Was war aus der ſchönen Rede geworden, die er ſo ſorg⸗ * fältig ausgedacht, was aus den trefflichen Gründen, die er für unwiderſtehlich gehalten hatte? Er hatte kaum den Mund aufgeihan, ſeine Zeugniſſe ſteckten noch unberührt in der Seitentaſche des Fracks, der Name ſeines Gönners, des Herrn Direktors, war mit keiner Sylbe erwähnt worden. Der arme Erich fühlte ſich

. niedergedrückt vor Scham, vernichtet, aller und jeder Hoffnung beraubt. Einige Augenblicke lehnte er ſich an die Wand, um nicht niederzuſinken; ſein Kopf

ſchwindelte, ſein Blut ſiedete, ſein Herz brannte es war ihm, als ob er auf der Stelle ſterben müſſe. Endlich raffte er ſich zuſammen, mit verzweifelter Hef⸗ tigkeit drückte er den Hut in die Stirn, rannte über den Corridor, die Treppe hinunter, aus dem Hauſe hinaus, in die freie Natur. Erſt hier kam er wieder zu ſich, aber auch zum vollen Bewußtſein ſeiner zer⸗

4 trümmerten Hoffnungen. Elend und verlaſſen von Allem, was ihn tröſten und aufrichten konnte, warf er 4 3 ſich im Schatten eines Wäldchens unter einen Baum,

bedeckte ſein Geſicht mit den Händen und weinte bit⸗

terlich. Die Thränen erleichterten ſein volles, gepreß⸗ tes Herz, ſein gebeugtes, ſchwer bedrücktes Gemüth. Der Sturm, den die herzloſe Zurückweiſung des Herrn Superintendenten in ihm hervorgerufen hatte, gab nach und nach milderen Gefühlen Raum, und wie die letzten Tropfen eines Frühlingsregens, mild und erquicklich,