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Der Segen des Herrn macht reich ohne Mühe : Sprw. 10, 22 ; Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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mit dem er es begleitete, brachte Erich vollends in Ver⸗ wirrung. Voller Schaam ſenkte er die Augen zu Boden und wünſchte ſich hundert Meilen entfernt.

»Aber wie heißen Sie?« fragte der Herr Superin⸗ tendent kurz.

Erich Ehrenfried.«

Was iſt Ihr Vater?«

Kanzleiſchreiber.

»Was wollen Sie ſtudieren?

Theologie.

»Theologie! Gütiger Himmel, ſolche Leute könn⸗ ten wir gebrauchen! Bah, ich will Ihnen einen guten Rath geben, junger Mann. Werden Sie in Gottes Namen ein Schreiber, wie Ihr Herr Vater, oder noch beſſer, lernen Sie ein ehrliches Handwerk, das ſeinen Mann ernährt. Handwerk hat güldenen Boden aber das Studieren ſchlagen Sie ſich aus dem Sinne! Jeder junge Menſch meint heutzutage zu einem Lehrer von Gottes Wort berufen zu ſein, wenn er ſein Bis⸗ chen Latein und Hebräiſch abſolvirt hat! Lächerliche Einbildungen! Thörichter Hochmuth! Nein, Lieber, die Gelegenheit allein thut's nicht, eben ſo wenig ein ſogenanntes gutes Herz und guter Wille; in jetzigen Zeiten brauchen wir Leute von feiner Weltſitte und Bildung, und dieſe Eigenſchaften bilden Sie ſich doch nicht ein, zu beſitzen? Behüte, lieber, junger Mann! Folgen Sie meinem Rathe, ſuchen Sie die mühſam eingelernte Schulgelehrſamkeit zu vergeſſen und ſtreben Sie nicht nach einer Stellung, zu welcher Sie durch⸗ aus nicht berufen ſind. Adieu, Lieber! Adieu!«

Mit anmuthiger Höflichkeit öffnete der Herr Su⸗ perintendent die Thür ſeines Studierzimmers, machte