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Der Segen des Herrn macht reich ohne Mühe : Sprw. 10, 22 ; Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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unwiderſtehlich gehalten, ungemein ſchwach und haltlos, und es fehlte nicht viel, ſo wäre er noch an der Thür des hochwürdigen Herrn umgekehrt und unverrichteter Sache nach Hauſe zurückgelaufen. Aber da fiel ihm noch zu rechter Zeit der Vater ein, und das Verſpre⸗ chen, das er ihm gegeben hatte. Nein, nein, nur mu⸗ thig vorwärts! Der peinlichen Ungewißheit, die ihn nun ſchon lange gequält hatte, mußte nothwendig ein Ende gemacht werden. Und dieſe Aengſtlichkeit war ja geradezu kindiſch!

»Muthig, muthig! rief er ſich ſelbſt zu, faßte den

blank geputzten Meſſinggriff des Klingelzuges und zog erſt leiſe, dann, als er das Töoͤnen der Glocke nicht vernahm, ſtärker daran. Jetzt klingelte es anhaltend, laut, durchdringend es wollte gar nicht enden, und dem armen Bittſteller Erich wurde dabei ſiedend heiß, als ob er auf glühenden Kohlen ſtünde! Jeder Klang der bimmelnden Glocke traf geradezu ſein Herz. End⸗ lich, endlich wurde es aber doch ſtill im Hauſe, und nun lauſchte er mit geſpannter Aufmerkſamkeit auf nahende Schritte. Es mußte doch Jemand kommen, der ihm die verſchloſſene Thuͤr öffnete. Aber nein nur der Riegel klirrte und die Thür ſprang von ſelber auf. Mit ſchüchternem Schritte trat Erich in den küh⸗ len, mit rothen Steinen zierlich ausgelegten Hausflur; hinter ihm ſchlug dröhnend die ſchwere, eichene Thür wieder zu der dumpfe Schall weckte den Wiederhall in dem großen, weitläufigen Gebäude, und Erich ſchrack ordentlich davor zuſammen. Auch das Echo verklang; Erich ſah umher; da war eine Thür auf dem geräu⸗ migen Vorplatze, dort noch eine, da eine dritte; aber nirgends ein menſchliches Weſen, das ſich um ihn be⸗