Worte erzählt er, daß ſein Beſitzer keineswegs im Ueber⸗
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hülfreich dabei zur Hand. Eigenhändig knüpfte ſie ihm die Schleife in das weiße Halstuch, bürſtete ihm Hut und Frack aus, auf dem ſie auch nicht das kleinſte Stäubchen ſitzen ließ, und betrachtete, als Alles ſchmuck und fertig war, den hübſchen Jüngling mit mütter⸗ lichem Wohlgefallen. Nun war freilich der ſchwarze Frack keinesweges nach dem neueſten Schnitte, ſintemal Erich ihn ſchon vor vier Jahren bekommen hatte, als er zum erſten Male, ein junger Chriſt, zum Tiſche des Herrn gegangen war. Die Länge der Zeit hatte ihre Spuren auf ihm zurückgelaſſen. Hie und da, beſon⸗ ders an den Aermeln, ſah er ein wenig, oder vielmehr, um die Wahrheit zu geſtehen, bedeutend fadenſcheinig aus, die Nähte auf dem Rücken ſpielten aus dem Schwarzen ſtark in's Weißliche hinüber, und die Aer⸗ mel ſelber waren um eines guten Zolles Breite zu kurz geworden, weil Erich in der letztverfloſſenen Zeit um ein Anſehnliches in die Höhe geſchoſſen war— indeß, die Mutter meinte, er ſähe doch ganz leidlich in dem alten Fracke aus, was Schweſter Anna, als Erich jene Behauptung in beſcheidene Zweifel zu ziehen ſchien, mit großer Lebhaftigkeit beſtätigte.
„Nun, es muß eben gehen, ſo gut es gehen will,“ ſagte frich, indem er ſich mitleidig im kleinen Spiegel betrach te und einen Seufzer, der ſich über ſeine Lip⸗ pen Angen zu wollen ſchien, mit Entſchloſſenheit unter⸗ drückte.»Uebrigens kommt ja auch auf die Kleider nichts an, und das Fräckchen, das mir hinten und vorn zu kurz und in den Aermeln viel zu eng iſt, wird mir zu meinem Zwecke am Ende beſſer das Wort reden, als ein neumodiſcher Rock vom feinſten Tuch. Ohne


