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zurück, der, betroffen von der barſchen Entſcheidung des Vaters, die Augen zu Boden geſenkt, da ſtand. „Nimm dir's nicht zu ſehr zu Herzen, Junge!“ ſagte er ſanft—„die ſchlimmſte Gewißheit iſt nicht ſo ſchlimm, wie dieſe zaghafte, ängſtliche, peinliche Unge⸗ wißheit, dieſes Schwanken zwiſchen Wollen und Nicht⸗ wollen, bei dem die Seele keinen Augenblick zur Ruhe und Beſonnenheit kommt. Was iſt denn weiter verlo⸗ ren, wenn nun auch wirklich der geiſtliche Herr Nein ſagt? Weiter nichts als eine Hoffnung! Du lieber Gott, wenn die Menſchen über jeden vereitelten Wunſch trauern und klagen wollten, was ſollte am Ende aus der Welt werden? Mir ſind im Leben hundert Hoff⸗ nungen zu Waſſer geworden, und doch habe ich den Muth nicht verloren! Daran muß ſich der Menſch gewöhnen, daß ihm der liebe Gott nicht Alles auf dem Präſentirteller entgegen bringt, wo er nur zuzulangen braucht. Du haſt deine Sache gelernt, biſt an Arbeit gewöhnt, und wirſt alſo nicht verhungern, wenn's denn auch mit der Univerſität nichts wird. Im Nothfall arbeiteſt du mit auf der Kanzlei, unter meiner Leitung, und wundern ſollt' es mich, wenn du nicht dereinſt meinen Poſten kriegteſt! Nun, und dann haſt du dein Brod, ſo lange du lebſt! Und weiter braucht der Menſch nichts! Der Segen des Herrn iſt es, der reich macht, nicht die vollen Goldſäcke und die hohen Ehren, die von Menſchen verliehen werden!«
„Du haſt Recht, Vater, und ich war ein Thor,“ antwortete Erich und richtete ſich ſtramm auf.„Sieh, ich will dir nur ſagen, es iſt ja auch nur deinetwegen und der Mutter wegen, daß ich ſo gern ſtudiren mögte. Schon ſeit Jahren habe ich mir das ſo lieblich aus⸗
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