früh muß der Alte ſterben, und das Geheimniß ſtirbt mit ihm!“
„Ah, jetzt verſteh' ich,“ ſagte der Ober⸗Aufſeher, deſſen Augen von Habſucht funkelten.„Warum haſt du mich nicht früher von der Sache unterrichtet, Louis? Es hätte ſich vielleicht thun laſſen! Wie viel hat er dir denn verſpochen, der Alte?“
„Hundert Louisd'ors, Herr.“
„Hundert Louisd'ors! Sacre bleu, ein hübſches, rundes Sümmchen! Es wäre nicht übel, wenn du es
einſtecken könnteſt, Louis! Hm! Laß doch ſehen! Viel⸗
leicht... Komm doch einmal mit mir, Louis! Wir müſſen das Ding in Ueberlegnng ziehen, aber in meiner Stube,— hier läßt ſich dergleichen nicht be⸗ ſprechen.“
Schmulche, der die Habgier des Ober⸗Aufſehers bereits kennen gelernt und darauf einen ſchnell in ihm entſtandenen Plan gebaut hatte, folgte willig, und ſah ſich wenige Minuten ſpäter mit dem Ober⸗Aufſeher in deſſen Stube allein.
„Louis,“« ſagte derſelbe,—„der Jude muß ſterben, ſo viel ſteht feſt; aber wenn du klug und mir ergeben biſt, ſoll er wenigſtens nicht ſterben, ohne vorher ſein
Geheimniß entdeckt zu haben.“
„Auf meine Ergebenheit dürfen Sie zählen, Herr,“ antwortete Schmulche.„»Aber ich fürchte, wir kommen zu ſpät.“ 3
„Nein, nein, noch iſt's Zeit, denn wir haben noch eine ganze Nacht für uns,« ſagte der Ober⸗Aufſeher haſtig.„Der Jude muß fliehen, und du mußt ihm zur Flucht verhelfen.“
Schmulche ſtellte ſich erſchrocken und trat einen


