mehr Trotz und Entſchloſſenheit, als banges Zagen aus,
während der Andere gänzlich hoffnungslos ſchien und in ſtiller Wehmuth heiße Thränen vergoß, die aus ſeinen blauen Augen auf ſeine abgemagerten Hände niedertropften. Der Knabe gegenüber, welcher nach einigen Minuten ſchweigſamer Raſt den Kopf wieder erhob, bemerkte dieſe Thyänen, und ſein ſchwarzes Auge ſprühete einen Blitz, indem er es mit ſichtlicher Theil⸗ nahme auf ſeinen Leidensgenoſſen heftete. Neugierig blickte er ihn faſt eine ganze Minute lang an, dann
ſagte er plötzlich:„Du, warum weinſt du denn? Hat
dich Jemand geſchlagen?«
Die beiden Knaben ſaßen kaum fünf Schritte aus einander, denn die Straße war eng und ſchmal, alſo mußte der Blauäugige wohl die Anrede ſeines Gegen⸗ über vernommen haben. Er richtete ſich langſam auf, zeigte ſein blaſſes, hübſches, trauriges Geſicht, und antwortete:„»Nein, geſchlagen hat mich Niemand. Mich hungert nur! Und meine arme Mutter! Oh mein Gott!«
»Du haſt eine Mutter?“ fragte der Erſte wieder. „Da biſt du reicher, als ich! Ich habe Niemand, dem
ich angehöre. Ich bin nur ein armer Judenjunge,
ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geſchwiſter, ohne Ver⸗ wandte, ohne Freunde. Du aber biſt ein Goy(Chriſt) und reicher als ich, denn du haſt eine Mutter! Die Gojim ſind immer glücklicher, als wir Juden, auch
wenn ſie arm ſind,“ ſetzte er mit Bitterkeit hinͤ uu.
„»Wenigſtens verachtet und verfolgt un
Keiner, wie uns!« „Glücklich? Ich? Oh, du ſpotteſt meine
derte der Andere mit einem ſolchen rü


