Druckschrift 
Der Schatz des Inka : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

hatte, und fragte den erſten beſten Diener, der ihm im Hausflur begegnete, ob er nicht den Herrn Grafen ſo⸗ gleich einmal ſprechen könne? Der Diener ſah ihn mit großen Augen an.

Aber mein Gott, Anger, wißt Ihr denn noch nicht draußen auf dem Dorfe, daß unſer gnädiger Herr ge⸗ ſtern Morgen verſchieden iſt?« antwortete er.»Wir haben doch gleich einen reitenden Boten hinausgeſchickt, um den Guts⸗Inſpektor zu benachrichtigen.«

Der arme Pächter ſtand da wie vom Blitze getroffen. Eine ſchlimmere Nachricht hätte ihm kaum zu Theil

werden können, denn einmal liebte er den verſtorbenen

Grafen aufrichtig und aus voller Seele, und dann mußte er auch noch befürchten, daß ſeine Bitte bei dem Erben des ſeligen Herrn vielleicht keine günſtige Auf⸗ nahme finden würde. Die duüſteren Ahnungen und Befürchtungen ſeiner Frau fielen ihm ſchwer auf's Herz, und nicht ohne Bangen fragte er, an wen er ſich denn nun wenden müſſe, um Erlaß des Pachtzinſes oder wenigſtens um Zahlungsfriſt zu erlangen? Pacht⸗Erlaß oder Zahlungsfriſt, mein armer An⸗ ger? ſagte der Diener mitleidig.Das wird ſchwer zu bekommen ſein. Unſer neuer Herr iſt nicht wie der alte. Er iſt hart, ſtolz und geizig, wie wir hier, die Dienerſchaft des Hauſes, ſchon ſchwer genug haben empfinden müſſen. Die Hälfte der Leute hat er ſogleich verabſchiedet, kaum, daß der ſelige Herr die Augen ge⸗ ſchloſſen hatte, und uns Andern hat er ſchon angekün⸗ digt, daß wir im Lohn verkürzt werden würden. Er nennt uns nicht anders, als unnützes Geſindel und faule Tagdiebe. Die Meiſten von uns wollen auch itt nicht länger bleiben, als bis ihre Dienſtzeit um iſt,