Zornes noch nicht völlig ausgeleert. Ich fühle es hier, ich habe dieſelbe bange Ahnung, die mich ſchon vorge⸗ ſtern bedrückte, und nur zu ſehr bin ich überzeugt, daß ſte nicht täuſcht. Dein Gang iſt vergebens, mein armer lieber Mann!«
Pächter Anger ſchüttelte betrübt den Kopf.„Es ſchmerzt mich, Lisbeth,“ ſagte er,„daß du ein ſo ge⸗ ringes Vertrauen auf Gott und die Güte unſeres Gra⸗ fen haſt. Aber habe nur Geduld, vor Abend bin ich wieder zurück, und hoffe zuverſichtlich, daß ich gute Nachrichten mitbringen werde. Der Graf iſt nicht hart und unerbittlich, wie du zu denken ſcheinſt, ſondern ein gütiger, liebreicher Herr. Ich bin überzeugt, er wird mir meine Bitte nicht abſchlagen, da wir ja nicht durch eigene Schuld in's Unglück gerathen ſind. Hoffe und ſei getroſt! Bald bin ich wieder bei dir!«.
Nach dieſen Worten drückte er ihr die Hand, be⸗ ſtieg ſein Pferd, und ritt davon. Nach zwei Stunden kam er in der Reſidenz an, und ſtieg vor dem Hauſe des Grafen ab, das er ſchon von fruͤheren Zeiten her wohl kannte. Unterwegs hatte er reiflich und ſorgfältig überlegt, was er Alles ſeinem Pachtherrn ſagen wollte, und war in ſeinem Herzen voll guter Zuverſicht, daß der Graf ſeine Bitte gerne und bereitwillig gewähren werde. Er wollte ja nichts weiter, als nur eine Friſt bis zum nächſten Jahre mit der Bezahlung ſeines Pacht⸗ zinſes. Der Graf war ein reicher, ſehr reicher Herr, er war immer gütig gegen ihn und gegen ſeine übrigen Pächter geweſen,— da konnte er ja die beſcheidene hitte gewiß nicht zurückweiſen.
So trat denn Pächter Anger getroſt in das ſchöne Haus ein, nachdem er ſein Pferd außen angebunden


