104
zu denken, und bald gelangte man auf die Eisregion der Gletſcher, welche ſich meilenweit ausbreiteten, und an einzelnen Punkten faſt ſenkrecht zu fünf⸗ bis ſechs⸗ hundert Fuß hohen Wänden anſtiegen. An Abgründen vorüber, wo ein einziges Ausgleiten ſicheren Tod brin⸗ gen mußte; über Schneefelder hinweg, unter denen vielleicht verrätheriſche Spalten klafften, welche den Durchbrechenden zu verſchlingen drohten; über Kluͤfte hinweg, wo man ſich der ſchwankenden Brücke eines ſchmalen Bretes anvertrauen mußte, drangen die küh⸗ nen Reiſenden aufwärts. Mehrmals mußten ſie große Umwege machen, weil die leichte Brücke nicht lang ge⸗ nug war, die beiden Ränder von dergleichen Kluͤften zu verbinden; mehrmals mußten ſie auch Stufen in das Eis hauen, wo die glatte Eiswand ſo ſteil anſtieg, daß der Fuß keinen Halt darauf fand.
Am beſchwerlichſten war es, die Hunde mit den Schlitten vorwärts zu bringen. Oefter als einmal mußte man die Ladung auspacken und ſtückweiſe über die Eiswand tragen, weil die Hunde ſonſt die Schlit⸗ ten nicht fortgebracht hätten. Es koſtete ungeheure Anſtrengung, uͤber die wechſelnde Geſtaltung der Eis⸗ felder vorwärts zu kommen, und als unſere Reiſenden einige Stunden gegangen, geklettert, gerutſcht und ge⸗ fahren waren, wurden ſie von Gliederzittern und Athem⸗ Beſchwerden überfallen, und fühlten ſich der gänzlichen
Erſchöpfung nahe. Noch eine Stunde mehr, und ſie
konnten nicht weiter. Kapitän Becker wurde faſt ohn⸗ mächtig, und Hans ſaß zitternd auf einer Schneewehe, und bot ein Bild äußerſter Ermüdung dar. Auch die Hunde hatten ſich niedergelegt, ihre Weichen flogen, und die Zunge hing ihnen aus dem Munde. Robert


