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Abdul, und ich fühle mich glücklich, daß mich ein gün⸗ ſtiges Geſchick zu dir führte. Oh, nun iſt Alles gut! Was der Ueberredungsgabe des Bevollmächtigten nicht gelang, das wird und muß der bittenden Stimme des Freundes gelingen! Abdul, du begleiteſt mich in unſer Lager?“
„Ruhig, mein Freund!“ erwiederte Abdul, welcher jetzt den ſtrengen Ernſt des Kriegers ganz bei Seite gelegt hatte, mit warmer Herzlichkeit.„Die Verhand⸗ lungen ſind zu Ende, der Beſchluß iſt gefaßt, und nichts, ſelbſt nicht die Bitte des Freundes vermag ihn zu ändern. Auch mußt du wiſſen, ich bin nicht Ben⸗ Aiſſa, der Lieutenant des Bey, ſondern nur ſein Ver⸗ trauter, ſein Günſtling vielleicht, denn er liebt und achtet mich, aber keineswegs bin ich es, in deſſen Hand das Schickſal von Conſtantine gelegt iſt. Ben⸗Aiſſa beauftragte mich, den Geſandten des Emir Abd⸗el⸗Kader anzuhören, und ich danke Allah, daß mir dieſer Auf⸗ trag zu Theil wurde. Wenn du ihm ſelbſt deine Ent⸗ hüllungen gemacht hätteſt, würde er dich unfehlbar als Spion dem Tode überliefert haben. Jetzt biſt du ſicher, der Freund Abduls kann nicht Spion ſein. Komm, François. Setze dich zu mir auf den Divan, und laß uns plaudern, wie in alter Zeit, wo wir unter dem 8 Zeltdache meines Vaters ſaßen und brüderliche Freund⸗ ſchaft mit einander ſchloßen. Erzähle mir, wie s dir ſeit jener Zeit ergangen iſt. Du haſt deinen Vater wiedergefunden,— lebt er noch? Und du ſelbſt, du biſt ein tapferer Offizier geworden, nicht wahr? Er⸗ zähle mir Alles, denn Alles, was dich betrifft, iſt mir von Wichtigkeit.“—
Sie nahmen Platz auf dem Divan. Abdul klatſchte


