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Dienst um Dienst : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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auf die edlen Züge deſſelben, aber bald mußte er er⸗ kennen, daß er in ſeinen Erwartungen zu voreilig ge⸗ weſen ſei. Der Araber, ſeine Gedanken errathend, fügte lächelnd hinzu:Nicht um über Krieg oder Frie⸗ den zu unterhandeln, wünſche ich noch länger deine Anweſenheit, ſondern nur um eine alte Freundſchaft zu erneuern.

Und plötzlich von ſeinem Divan ſich aufrichtend, näherte er ſich Francois, reichte ihm ſeine Hand hin, und ſagte in franzöſiſcher Sprache:

»Frangois Dumourier, erkennſt du wirklich deinen alten Freund und Gefährten nicht mehr? Siehe, mein Auge iſt ſchärfer geweſen als das deinige.

Frangois fuhr unwillkührlich zurück, eine Fluth von Erinnerungen drang über ihn herein, alte, halb verloſchene Bilder der Vergangenheit tauchten vor ihm auf; ein ſcheiterndes Schiff, ein Kampf mit den Rei⸗ tern der Wüſte, ein Zug durch die Küſten⸗Ebene Afrika's, ein arabiſcher Duar.. 4

»Abdul! rief er aus, und ſank an die Bruſt des jungen Kriegers, welcher ihn herzlich und innig in ſeine Arme ſchloß.

»Abdul! Mein Freund! Du hier! Welche frohe und doch wieder traurige Ueberraſchung! Du alſo biſt Ben⸗Aiſſa, der berühmte tapfere Führer von Bey⸗ Ahmed's Kriegern! Wie hätte ich mir jemals das träumen laſſen können? Wie hätte ich errathen kön⸗ nen, daß ich dich als Befehlshaber von Conſtantine finden würde? Wie konnte ich in dieſer kriegeriſchen Geſtalt die Züge halb beſchattet von dichtem Barte, den zarten Juͤngling von damals vermuthen, wieder erkennen? Und doch biſt du es! Du biſt mein Freund

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