93
erſten Momente erkannte er ihn nicht mit ſeinem ſchwärz⸗ lich gebräunten Geſicht und der ungewöhnlichen Tracht, — dann aber verklärten ſich plötzlich ſeine Züge zum Ausdrucke der ſeligſten Freude, ſeine Augen ſtrahlten vor Entzücken, und mit Ungeſtüm preßte er den Wie⸗ dergefundenen in ſeine Arme.
„Mein Gott, ich danke dir!« rief er aus.„Francois, mein Sohn, du biſt es! Du biſt mir wiedergeben!«
Bruſt an Bruſt lagen ſie, ihren Augen entrollten Thränen, ihre Herzen pochten ſtürmiſch an einander. Erſtaunt ſchauten die Soldaten das ſeltſame Schau⸗ ſpiel, als ſie aber hörten, daß dieſer junge Araber, der in den Armen ihres Oberſten lag, deſſen verlorener und wunderbar wiedergefundener Sohn ſei, da ſchmet⸗ terte ein donnerndes:„Vive le colonel!“ durch die Lüfte, und Offizier wie Soldaten drängten ſich um die Glück⸗ lichen, und gaben in den herzlichſten Aeußerungen ihre Theilnahme und ihr lebhaftes Mitgefühl zu erkennen.
Einige Minuten vergingen, ohne daß irgend Je⸗ mand daran dachte, weiter zu marſchiren und ſo den erhaltenen Befehl auszuführen. Endlich erinnerte ſich zuerſt der Oberſt ſeiner Pflicht, und machte ſich ſanft aus der Umarmung ſeines Sohnes los.
„Ich danke Euch, meine Kinder, für Eure Theil⸗ nahme!“ ſprach er zu den Soldaten.„Dieß iſt ein glücklicher Tag für mich, aber ſelbſt im Vollgenuſſe der ſeligſten Augenblicke müſſen wir unſerer Pflicht ein⸗ gedenk ſein. Achtung alſo! Schließt Eure Reihen! Vorwärts!«
Der Knäuel entwirrte ſich, jeder Soldat nahm wie⸗ der ſeinen Platz in den ſchnell geordneten Reihen ein, und das Regiment ſetzte ſeinen Marſch nach der Kasbah
———— 2


