der Schlucht herab, und der rauſchende Donner der Katarakte war vollkommen verſtummt.
Uly begab ſich nach der zweiten, breiteren Schlucht. Auch hier fand er Alles ruhig und keine Ueberſchwem⸗ mung mehr.
„Gut,“ dachte er,„jetzt werden die Nachbarn kom⸗ men,— heute ſchon vielleicht, ſpäteſtens morgen 1«.
Er ſchätzte die Höhe der Eismauern, welche die Schlucht bildeten, und fand ſie von ſeinem Standpunkte aus immer noch an vierzig bis fünfzig Fuß hoch.
„Das wäre ein ſchweres und gefährliches Stück Arbeit, wenn ich mich noch da hinauf arbeiten müßte,“ murmelte er.„Wie gut, daß es nicht nothwendig iſt! Wie gut, daß die Nachbarn endlich, endlich zu meiner Befreiung ſchreiten werden!“
Uly hegte nicht den leiſeſten Zweifel, daß ſie wirk⸗ lich kommen würden, kommen müßten. Den ganzen Tag ſaß er am Eingange vor ſeiner Grotte, und lauſchte auf jedes Geräuſch, das ihm die Ankunft von Menſchen verrathen konnte. Aber der Tag verging, und kein Schuß wurde abgefeuert, keine menſchliche Stimme wurde vernehmbar. Nur die Lämmergeier ſchwebten hoch über der Erde in freier Luft, und ließen von Zeit zu Zeit ihr höhniſches, grelles Kreiſchen ertönen.
So verſtrich der erſte Tag,— ſo der Zweite,— ſo der Dritte.— Jetzt erkannte Uly, daß ſeine Hoff⸗ nungen eitel ſeien. Ohne Zweifel war Hans Sprungli entweder verunglückt, oder ein Verräther. Das Letztere ſträubte ſich Uly zu glauben; er nahm das Erſtere a und betrauerte den wackeren Mann aufrichtig.
Aber was ſollte nun aus ihm ſelber werden? ganze Seele ſchmachtete nach Befreiung.


