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Nur immer brav : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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kannter von ihm, an ſeinem Garten vorüber ſpazierte, rief er ihn an und winkte ihn zu ſich. Meiſter Don⸗ ner hatte nämlich die ſchönſte Schloſſerwerkſtatt im Städtchen, und war ein alter Mann ohne Familie, der ſchon manchmal ein Wörtchen hatte fallen laſſen, als ob er nun genug verdient habe, ſein Geſchäft ver⸗ kaufen, ſich zur Ruhe ſetzen und ſein Alter im Frieden genießen wolle..

Nun, Gevatter, jetzt kann's wahr werden! ſagte Vater Lindemann zu ihm, indem er ihn auf die Seite nahm.Mein Heinrich iſt nun bald ſo weit, daß er ſelbſtſtändiger Meiſter werden kann, und wenn Ihr daher Eure Werkſtatt verkaufen wollt, Gevatter, ſo hätt' ich ein Wörtchen mit Euch im Vertrauen zu reden!

Meiſter Donner lachte, nicht heimlich und ſchaden⸗ froh, ſondern ganz vergnüglich, obgleich er wußte, daß Vater Lindemann keine große Freude über ſeine Ant⸗ wort haben würde.

Ja, das thut mir leid, Gevatter!« ſagte er.Ihr kommt zu ſpät! Die Werkſtatt iſt bereits verkauft, und nächſten Monat zieht der neue Meiſter ein. Ein recht geſchicktes Männchen, wär' es, hab' ich gehört.«

Mit dieſen Worten ging er lachend davon, und ließ Vater Lindemann ſehr beſtürzt ſtehen. Die Schloſſer⸗ werkſtatt alſo bereits verkauft, auf die er ſo lange heimlich gerechnet hatte, was ſollte nun mit ſeinem Heinrich werden? Der alte Mann ſchuͤttelte betrübt den Kopf.

Es iſt unrecht von Meiſter Donner!« dachte er. Er wußte doch, wie ich's vorhatte, und nun ver⸗ kauft er hinter meinem Rücken! Nun, Jeder iſt ſich

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