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ruht, wie auf dem meinigen, der müßte ja ein ganz ſchlechter Menſch ſein, wenn er nicht brav und recht⸗ ſchaffen bleiben wollte! Ja, ja, jetzt iſt's keine Kunſt mehr, jetzt iſt's aber nur eine angenehme Pflicht und eine wahre Herzensfreude!«
„Ganz recht, Meiſter!“ ſagte eine Stimme hinter ihm, und eine Hand legte ſich ſanft auf ſeine Schul⸗ ter.„Jetzt iſt's keine Kunſt, aber es war eine, als Euch das Unglück ſo hart verfolgte und als die Ver⸗ ſuchung zu Euch trat. Und das wollen wir doch nicht vergeſſen!«
Vater Lindemann drehte ſich überraſcht um, und gewahrte Herrn Salomon, welcher in aller Stille ein⸗ getreten war und ſeine halblaut gemurmelten Worte vernommen hatte.
„Herr Commerzienrath! Willkommen, tauſend Mal willkommen unter meinem Dache,“ ſagte er erfreut. „Ja, ja, unter meinem Dache, denn das alte, liebe, kleine Häuschen iſt wieder mein Eigenthum!“
„Ich weiß es ſchon, Meiſter,« entgegnete Herr Salomon freundlich,—„weiß überhaupt ſo Manches von Euch, möchte aber doch noch mehr wiſſen, und zumal auch Einiges von Euren Kindern hören. Da es gleich Feierabend iſt, ſo könnten wir ein Bischen beiſammen bleiben und ein Stündchen oder zwei ver⸗ plaudern. Wie?«
Vater Lindemann war natürlich ganz dazu bereit, denn er that eben doch nichts lieber in der Welt, als von ſeinen Kindern ſprechen. So führte er denn den willkommenen Gaſt in ſein Stuͤbchen, und war bald in ein angelegentliches Geſpräch mit ihm vertieft, das bis gegen die zehnte Stunde hin dauerte. Von Allem
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Nur immer brav.


