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Nur immer brav : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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wohl gar Nachbar Lindemann ihn gefunden und bei ſich aufgenommen habe, und von Neuem ergriffen ihn lebhafte Beſorgniſſe. Wenn er grade an den ausplau⸗ derte, den er hatte betrügen helfen! Unmöglich ſchien dies nicht. Aber noch war es vielleicht Zeit, vorzu⸗ beugen, und abermals ſchlich Peterling durch den Gar⸗ ten, und näherte ſich heimlich dem Hauſe des Nach⸗ bars, um einen verſtohlenen Bligf durch die Fenſter hinein zu werfen. Er kam geradè in dem Augenblick, als Greulich eben das Zimmer verlaſſen hatte. Nur eine Viertelſtunde früher, und er würde ir Schreiber im Bette geſehen haben. Jetzt aber, da er daſſelbe leer fand, beſtärkte er ſich in der Anſicht, daß Greulich in der Nacht ſich aufgerafft und in ſeine Wohnung ge⸗ gangen ſei. War das geſchehen, wie er nun gar nicht bezweifelte, ſo konnte er vollkommen ruhig ſein.

»Alles ſteht gut!« murmelte er vor ſich hin und ſchlug ein Schnippchen in die Luft. Trotzdem aber will ich doch zu ihm gehen und zu rechter Zeit vor⸗ beugen, damit er mir keine dummen Streiche macht.

In der feſten Zuverſicht, daß er unfehlbar den Schreiber in ſeiner Wohnung finden werde, ſteckte er⸗ ein paar Thaler Geld zu ſich, die er aus einem Ver⸗ ſtecke hinter dem Ofen nahm, machte ſich wohlgemuth auf den Weg, und ſchlug die Richtung nach dem klei⸗ nen Hauſe ein, wo der Schreiber eine Dachſtube ge⸗ miethet hatte. Das Haus lag am entgegengeſetzten Ende der Stadt, und Peterling hatte daher einen ziem⸗ lich weiten Weg zu machen. Endlich erreichte er ſein Ziel, ſtieg die Treppe hinauf, und klopfte an. Nie⸗ mand antwortete. Er klinkte am Drücker der Thür, ſie war verſchloſſen. Er klopfte ſtärker, er rüttelte, er