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nahet, unſer Sporn, wenn wir läſſig im Guten wer⸗ den wollten. Immer brav, Heinrich, das gelobe ich dir hier über dem Grabhügel der Mutter mit Hand und Herz und Mund!“
„Immer brav! Auch ich gelobe es!« ſprach dann Heinrich feierlich, und über dem Grabhügel ſanken die Geſchwiſter einander Bruſt an Bruſt und hielten ſich lange umfaßt in zärtlicher, liebevoller Umarmung. Noch einmal ſchüttelten ſie ſich dann herzhaft die Hände, wie zur letzten Bekräftigung ihres Gelübdes. Dann pflück⸗ ten ſie Jeder eine Blume vom Grabhügel der Mutter, bewahrten ſie ſorgfältig auf, und kehrten dann zu dem Hauſe des Vaters zuruck. Unterwegs ſprachen ſie nicht mehr, ihre Herzen waren zu voll, aber nur reine und gottgefällige Empfindungen bewegten ſie, und eine ſtille, muthvolle und freudige Ergebung glänzte aus ihren Augen, als ſie, heimgekehrt, dem Vater den Abend⸗ gruß boten.
„Ei,« ſprach dieſer,„Ihr ſeht ja aus, als ob Ihr mit einem Engel geredet hättet, ſo klar und hell!“
„Vielleicht, Vater, war ein Engel bei uns,“ erwie⸗ derte Marie, ſtill im Herzen der ſeligen Mutter ge⸗ denkend,—„und gewiß, Böſes hat er uns nicht zu⸗ geflüſtert!“
Der Vater mochte ſie wohl verſtehen und ahnen, wo ſeine Kinder geweſen waren. Er forſchte und fragte nicht weiter, ſondern nickte nur zufrieden mit dem Kopfe.
Der Abend verging in ſtiller, friedlicher, heiterer Gelaſſenheit. Man ſah, ein Jeder hatte ſich in die Trennung ergeben und war entſchloſſen, den Anderen das Scheiden ſo leicht als möglich zu machen. Am


