2
Hand reichſt. Oft haſt du mir geſchworen, wenn du mein Gaſt wareſt und an meiner Tafel ſchwelgteſt, daß du unter allen Umſtänden treu und bis zur Auf⸗ opferung mein Freund bleiben würdeſt. Jetzt mahne ich dich an deine Schwüre! Beweiſe jetzt, daß du mein wahrer Freund biſt, und ſchütze mich vor dem Verderben!“
„Aber, liebſter Peters,“ erwiederte der Bank⸗Buch⸗ halter Solms äußerſt ruhig, und, allem Anſcheine nach, nicht im Mindeſten erregt durch die Verzweif⸗ lung ſeines Collegen, des Bank⸗Kaſſierers Peters;— in welcher Weiſe ſoll ich dir helfen? Seit einer Vier⸗ telſtunde rennſt du wie verrückt hier in meinem Zim⸗ mer herum, fichſt mit den Armen, läßt allerlei unarti⸗ kulirte Laute hören, gleich einem wilden Thiere in ſeinem Eiſenkäfig, und verräthſt mit keiner Sylbe, wo dich eigentlich der Schuh drückt. Sprich in klaren Worten zu mir, Menſch, und dann wollen wir ſehen, was ſich für dich thun läßt.“
„Und biſt du wirklich geneigt und bereit, mich meiner ſchrecklichen Lage zu entreißen?“
„Gewiß,— wenn es in meiner Macht ſteht,“ ver⸗ ſetzte der Buchhalter, aber in ſo kaltem und nachläſſi⸗ gem Tone, daß der Kaſſierer eiſig davon berührt zu werden ſchien. Der Angſtſchweiß ſtand in großen Perlen auf ſeiner Stirn, und ſein Blick wurde ſtier und wild, beinahe irrſinnig. Dennoch faßte er ſich wieder.
„Es hilft nichts, ich muß ihm Alles bekennen,“ murmelte er vor ſich hin.
„Nun, ſo ſprich endlich,“ drängte der Buchhalter in ärgerlichem Tone.
*


