Druckschrift 
Ein Mann, ein Wort : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

108

»Bravo! Bravo, Herr von Birkenfeld!« erſcholl es

von allen Seiten, und zehn Hände ſtreckten ſich aus, um die des jungen Mannes zu ſchütteln.

Wer ſo offen ſeinen Fehler eingeſteht, fügte der Landrath hinzu,und ſo entſchloſſen den Vorſatz der Beſſerung ausſpricht, iſt nicht nur der Verzeihung wür⸗ dig, ſondern er verdient auch, daß man die Vergangen⸗ heit vergißt und vollkommenes Vertrauen in die Zu⸗ kunft ſetzt. Herr von Birkenfeld, ich freue mich auf⸗ richtig, daß es das Beiſpiel meines Freundes iſt, wel⸗ ches einen ſo erfreulichen Eindruck auf Sie gemacht hat. Er ſelbſt wird nicht weniger glücklich ſein, wenn ich ihm dieß mittheile.

Sie werden ihm alſo ſchreiben?« fragte Herr von Birkenfeld.

»Nein ich werde ihn ſprechen, erwiederte der Landrath, indem er lächelnd ſeine Taſchenuhr hervor⸗ zog und einen Blick darauf warf.Er hat mir zu⸗

geſagt, um ſechs Uhr heute Abend bei mir zu ſein, und es fehlen nur noch zehn Minuten an dieſer Stunde.« Und Sie glauben wirklich, er werde kommen?« frug man, lebhaft überraſcht, von allen Seiten.

Pünktlich, auf die Minute wird er da ſein, lau⸗ tete die Antwort,denn ich ſagte Ihnen ja, bei ihm gilt ein Mann, ein Wort in großen wie in kleinen Dingen. Wenn mich nicht Alles trügt, höre ich bereits

das Rollen ſeines Wagens!«

Alle lauſchten. In der That, fernes Räder⸗Geraſſel wurde vernehmbar, eine leichte Kutſche mit zwei flüch⸗ tigen Pferden flog heran, und hielt an der Verandah. Ein ſtattlicher, hoher Mann von edelſtem Ausſehen