Druckschrift 
Ein Mann, ein Wort : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

99

wie dem guten Burſchen dabei fortwährend die hellen Freudenthränen aus den Augen liefen. Wir feierten einen ſchönen Abend, und die Stunden ſchwanden wie Minuten dahin, während wir von vergangenen Zeiten plauderten, und uns mit Herz und Seele der Gegen⸗ wart freuten.

Es wurde ziemlich ſpät, ehe wir uns trennten, um zu Bette zu gehen. Dennoch weckte mich Fels am an⸗ dern Morgen zu früher Stunde wieder auf, und bat mich, ihn in ſein Arbeitszimmer zu geleiten.

Die Morgenſtunden ſind die einzigen des Tages, wo wir ganz ungeſtört bei einander ſein können, ſagte er.Es läßt mir keine Ruhe, bis wir uns vollkom⸗ men verſtändigt haben. Hier iſt mein Hauptbuch und die Karte unſerer Beſitzung. Ueberzeuge dich, daß wir ein hübſches Vermögen haben, und triff dann deine Wahl. Entweder trete ich dir die Hälfte des Gutes ab, wir bauen dir ein hübſches Wohnhaus nicht allzu entfernt von dem meinigen, und du bewirthſchafteſt deine Hälfte auf eigene Rechnung, oder wir bleiben zuſammen und verwalten die ganze Geſchichte gemein⸗ ſchaftlich. Ueberlege dir, was du vorziehſt, ich über⸗ laſſe die Entſcheidung ganz deiner freien Beſtimmung.«

Alſo wirklich!« gab ich ihm zur Antwort, und reichte ihm die Hand.Es war dein Ernſt geſtern, als du mir die Hälfte deiner Habe anboteſt! Du biſt wahrlich ein braves Herz, mein alter Fels!

»Nun was konnte denn ſonſt geſchehen, entgegnete er mir.Wir haben's ja dazumal ſo ausgemacht, und wenn mich das Glück nicht begünſtigt hätte, ſo wäre ich uͤber kurz oder lang zu dir gekommen. Ein Mann ein Wort! Und wenn auch das nicht wäre,

7

4