Druckschrift 
Ein Mann, ein Wort : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

Handelsbücher, um ſich in die Reihen der Krieger zu ſtellen. Aller Unterſchied der Stände ſchien vergeſſen, denn unter der Zahl der Freiwilligen ſtand der Prinz neben dem Bürgerſohn, der Junker neben dem Bauern⸗ burſchen, die Selbſtſucht ſchwieg; Stolz und Eigennutz gingen unter in dem einen Gefühl, dem einen Willen, freudig zu ſterben, um die Macht des Feindes zu brechen, und die Sonne der Freiheit wieder über das Vaterland empor zu führen. Selbſt Familienväter verließen Weib und Kind, und ihre Frauen waren ſtolz darauf, ſie zum heiligen Kampfe eilen zu ſehen. Jeder wußte: Welche ungeheuere Opfer der Kampf auch fordern mochte, ſie wogen die heiligen Güter nicht auf, für welche ge⸗ ſtritten und der Sieg errungen werden mußte.

Es war damals eine große Zeit, und Jeder iſt glücklich zu preiſen, der ſie mit erlebte. Sogar die Frauen und Jungfrauen blieben in heiliger Opferfreu⸗ digkeit nicht zurück. Es fehlte bei dem Zuſtrömen der Mannſchaften an Geld, an Waffen, an Kleidung und Ausrüſtung. Es bedurfte nur einen Aufruf an die Töchter des Vaterlandes, und ſogleich gaben ſie Alles her, woran ſonſt ihr Herz mit Liebe gehangen haben mochte, ihren Schmuck, ihre Kleinodien, ihre Erſparniſſe. Wittwen brachten einen Theil ihrer dürftigen Penſion zur Opfergabe, und die Aermſten wenigſtens ihre Ar⸗ beitskräfte, indem ſie nähten, ſtrickten, Charpie zupften. Ein rührender Zug von Vaterlandsliebe wurde mir er⸗ zählt, als ich kaum in Breslau angelangt war, wo ich mich unter die freiwilligen Jäger wollte einreihen laſſen. Ein junges Mädchen, blutarm, beſaß nichts, als ihr ſchönes, reiches Haar, für welches ihr ſchon öfters eine Summe Geldes vergebens geboten worden war⸗ Jetzt

4*