1²
den Waffen rief, damit es ſich das Heiligſte wieder⸗ erobern ſollte, was Gott den Völkern der Erde ver⸗ liehen hat, nämlich ſeine Ehre, ſeine Freiheit und Un⸗ abhängigkeit. Es war ein Ruf, der wie ein erſchüt⸗ ternder Donner über das ganze Vaterland hin rollte, und in jedem Herzen einen Wiederhall erweckte. Ein Gefühl entflammte Alle: der heilige Drang, das Joch der Fremdherrſchaft abzuwerfen und blutige Rache für den tauſendfachen Schimpf zu nehmen, den der über⸗ müthige Sieger auf unſer Haupt gehäuft hatte. Ob⸗ gleich wir Alle wußten, daß der demnächſt entbrennende Kampf ein Kampf auf Tod und Leben werden mußte, daß es keinen anderen Ausweg gab, als einen ehren⸗ vollen Frieden oder einen ruhmvollen Untergang, zö⸗ gerte doch Keiner, der die Waffen tragen konnte und noch einen Funken Ehrgefühl hatte, dem Aufrufe des Königs zu folgen und zu ſeiner Fahne zu eilen. Unter den Tauſenden, welche freudig bereit waren, Blut und Leben auf dem Altare des Vaterlandes zum Opfer zu bringen, befand auch ich mich. Wie hätte ich zurückbleiben können, wo Alles zu den Waffen griff, das ganze Volk aufſtand! Ich war damals kaum acht⸗ zehn Jahre alt, aber noch Jüngere, als ich, trieb die Begeiſterung zum Kampfe gegen den Todtfeind. Die Univerſitäten löſten ſich auf, weil Studenten und Pro⸗ feſſoren gemeinſchaftlich die Waffen ergriffen; ſelbſt die oberen Klaſſen der Gymnaſien wurden leer, weil die Maſſe der jungen Schüler nicht zurück zu halten war; die Regierungs⸗Collegien und die Gerichtshöfe ſchmolzen zuſammen, denn Räthe, Referendare und Auskultatoren zogen in's Feld; der Landmann verließ ſeinen Pflug, der Handwerker ſeine Werkſtatt, der Kaufmann ſeine


