8 daß ich mir in meinem ganzen Leben kein ſolches Ver⸗ gehen wieder zu ſchulden kommen laſſen will!« 3
Der arme Baron ſah wirklich ſo beſchämt und reuig aus, er trug ſeinen Unfall ſo offenherzig und ehrlich vor, daß die Geſellſchaft ſich geneigt fühlte, Gnade für Recht ergehen zu laſſen. Der Landrath, ſchon längſt ausgeſöhnt mit ſeinem jungen Freunde, bemerkte die Stimmung und nahm das Wort.
ſGut denn, Barönchen,“ ſagte er.„Sie ſollen
Verzeihung erhalten, aber nur unter der Bedingung,
daß Sie uns Ihre Verſe vortragen!«
»„Ja, die Verſe vortragen!« riefen verſchiedene
Stimme„»Wir beſtehen darauf!«
8„Aber es iſt ja zu ſpät! Der richtige Augenblick iſt verſaͤumt!« ſagte der Baron kläglich.
„Thut nichts!“ lautete die unbarmherzige Antwort.
»Wir müſſen die Verſe hören! Ohne Verſe kein Eſſen!
Strafe muß ſein!«
Es half nichts, der arme Baron mußte ſich be⸗
„Hunger thut weh,“ ſprach er,„darum alſo in Gottes Namen. Wenn Sie mich auslachen, ſo muß ich's ertragen, denn Schmach und Schande hab' ich allerdings verdient!“ Die Verſe wurden geſprochen, aber zum Glück für den Baron fanden ſie Beifall. Den Schluß bildete ein Lebehoch auf das fünfzigjährige Geburtstagskind, und alle Anweſenden erhoben ſich von ihren Sitzen, um es mit klingenden Gläſern auszubringen. In An⸗ ſehung des glücklich gelungenen, kleinen Intermezzo wurde dem armen Sünder Verzeihung zu Theil, und


