Druckschrift 
Ein Mann, ein Wort : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Nun, Ihr werdet's Alle hören! Doch für jetzt laßt Euch den Appetit um des Barons willen nicht ver⸗ derben, Kinder, ſondern greift zu und macht meinem Koche keine Schande! Der arme Kerl würde ſich vier Wochen lang grämen, wenn er volle Schüſſeln in ſeine Küche zurück bekäme!

Aber Sie müſſen mit eſſen, liebſter Landrath!« ertönte es von verſchiedenen Seiten.Es ſchmeckt nicht halb ſo gut, wenn der Wirth nicht mit einem guten Beiſpiele vorangeht!

Seht den Präſidenten einſtweilen für den Wirth an, Kinder!« antwortete der Landrath wohlgelaunt. Er iſt nicht übel zu Fuß unter der Naſe, wie Ihr wißt, und wird meine Stelle, mir zu Liebe, ſchon wacker vertreten. Ich aber muß mein Verſprechen halten, und daß ich es thue, wird eine neue Strafe für den Baron ſein.«

Der letzte Grund gewann die allgemeine Geltung und Billigung, und das Gaſtmahl fand daher unge⸗ ſtörten Fortgang. Der Präſident, als Vice⸗Wirth, machte ſeinem Poſten alle Ehre, was übrigens Nie⸗ manden Wunder nahm, da es männiglich bekannt ge⸗ nug war, daß er nichts weniger als die Freuden der Tafel verſchmähete, und ſo ſaß man denn bereits beim dritten oder vierten Gange, als plötzlich die Thuͤr

zum Speiſeſaale haſtig aufgeriſſen wurde, und ein hübſcher junger Mann mit glühendem Geſicht und in

ſichtlicher Haſt und Verwirrung herein ſtürmte. Oh mein Himmel! rief er aus, indem er mit

einem kläglichen Blicke die Tafel üͤberflog, und ſein

Auge zuletzt vorwurfsvoll auf den Landrath heftete, alſo doch zu ſpät eingetroffen! Beſter Landrath, das