»Alles recht, lieber Präſident, wenn ich ihm nur nicht mit Hand und Mund verſprochen hätte, ſeine Ankunft zu erwarten, bevor wir uns zu Tiſche ſetzen. Er war geſtern ſelber hier, und bat mich ſo lange darum, bis ich ihm zuſagte. Ich wollte nicht daran, denn ich kenne ihn ja, er iſt grade wie ſein Vater, ein guter, lieber, hHohherger Junge, aber leider unzuver⸗ läſſig, Präſident, ganz unzuverläſſig. Man iſt nie bei ihm ſicher, ob er Wort hält, wenn er Verſprechungen gibt. Ich gab ihm das auch ganz trocken zu verſtehen, aber da wurde er gleich ſo empfindlich und ſetzte einen ſolchen Trumpf darauf, daß er heute wenigſtens ſein würde, wie eine Schwarzwälder Uhr, daß ich mich end⸗ lich doch verleiten ließ, nachzugeben. Es war eine Thorheit, wie geſagt, denn ſehen Sie, jetzt iſt es ſchon ein Viertel über Eins, und immer noch bleibt unſer
Baron aus! Es iſt wirklich ärgerlich, recht ſehr är⸗
gerlich! Aber was ſoll man machen?«
„Freilich, wenn Sie zu warten verſprochen haben, ſo bleibt eben nichts weiter uͤbrig, als zu warten,“ ſagte der Präſident lächelnd.„Indeß, hart iſt es doch, daß wir übrigen Alle für den Fehler des Einen leiden müſſen. Eine kleine Strafe könnte dem jungen Spring⸗ insfeld gar nicht ſchaden.“
Das Geſicht des Landrathes heiterte ſich plötzlich
auf, wie eine anmuthige Landſchaft, welche, eben noch
von Wolken verdüſtert, plötzlich vom glänzendſten Son⸗ nenſchein überfluthet wird.„Sie haben recht, Präſi⸗ dentchen!“ rief er fröhlich aus und ſchüttelte dem alten Freunde die Hand.„Er ſoll geſtraft werden, und das auf doppelte Weiſe. Zunächſt habe ich nur verſprochen, daß ich mit dem Eſſen warten will, und daraus folgt
1*


