Herr Pfarrer ſchreibt mir nur, daß meine Mutter wohl⸗ auf und munter iſt.«
»Und gewiß noch etwas mehr, Fritz! Wie?«
»Nun, und daß ſie ſich bedanken läßt für die paar Thaler, die ich ihr kürzlich geſchickt habe. Weiter nichts!« ſetzte Fritz zögernd und erröthend hinzu.
»Nun, weiß der Himmel,“ ſagte Rudolph,„am Ende ſchämſt du dich noch darüber, daß du dir aus Liebe zu deiner Mutter die äußerſten Entbehrungen auferlegſt. Sei nur ſtill, und komm' jetzt! Und hören Sie, meine gute Frau Kilian, vor zehn⸗Uhr erwarten Sie Fritz
nicht zurück! Es iſt der letzte Abend auf lange Zeit,
den ich in ſeiner Geſellſchaft zubringen kann, und darum muß ich ihn gründlich genießen!“
„»Tragen Sie keine Sorge, Herr von Zwingenberg,“ verſetzte Frau Kilian.„Ich werde ſchon warten, bis Fritz kommt, wenn's auch noch ein wenig ſpäter werden ſollte. Ich weiß ja, Unrechtes thun Sie nicht!«
Die beiden jungen Leute nahmen Abſchied von der guten alten Frau, und begaben ſich nach Rudolphs Wohnung. Nach einem äußerſt vergnügten Abende, der nur durch den Gedanken an die bevorſtehende Trennung der Freunde einigermaßen getrübt wurde, kehrte Fritz nach Hauſe zurück. Frau Kilian wartete auf ihn, wie ſte verſprochen hatte, aber ſie empfing ihn nicht mit ihrer gewöhnlichen Freundlichkeit, ſondern mit ſehr betrübter Miene, und an ihren gerötheten Augen konnte man ſehen, daß ſie geweint haben müſſe. Fritz bemerkte es auf der Stelle, ſobald er nur in das kleine Stübchen trat.
Man muß ſich durchſchlagen.


