2
Mittelalters herſtammendes Schloß mit weitläufigen Seiten⸗Gebäuden, an den vier Ecken mit mächtigen runden Thürmen verſehen, rings umgeben von einem tiefen Graben, über welchen, obgleich er waſſerlos war, eine Zugbrücke führte. Dieſes alte Herrenhaus war der Ritterſitz eines freiherrlichen Geſchlechtes, deſſen Stamm⸗ baum in den nebelgrauen Zeiten des Alterthums wur⸗ zelte, wo noch das Heidenthum in den deutſchen Gauen und Wäldern herrſchte. Es nannte ſich das Geſchlecht Der Freiherren vom Borne,— woahrſcheinlich nach einem nie verſiegenden Quell köſtlichen Waſſers, welcher inmitten des Schloßhofes aus unbekannter Tiefe hervorſprudelte, und weit und breit in dem wohlbegrün⸗ deten Rufe ſtand, daß er von keinem andern Brunnen meilenweit in der Umgegend, was Reichhaltigkeit und Friſche des labendſten Getränkes anbetrifft, erreicht, viel weniger übertroffen wurde. Seit Jahrhunderten quoll der Born immer gleichmäßig ſtark und kühl in das ſteinerne Becken, in welches man ihn gefaßt hatte, und im ganzen Dorfe wurde kein anderes Waſſer getrunken, als das Waſſer vom Schloßborne, deſſen unbeſchränkte Benutzung von uralter Zeit her ſtets den Bewohnern geſtattet worden war.
Dermalen hauste der Freiherr Heinrich vom Borne in dem alten Schloſſe, ein noch rüſtiger Mann in vor⸗ gerückten Jahren, den man gewöhnlich nur„den Herrn Oberſt⸗Wachtmeiſter“« nannte, weil er in jüngeren Jah⸗ ren als tapferer Offizier mehrere Feldzüge mitgemacht, und endlich als invalider Major ſeinen Abſchied genom⸗ men hatte. Er war ein guter, nur ein wenig jähzor⸗ niger Mann von ächtem deutſchem Schrot und Korn, ein guter Haushalter, und ein vaͤterlicher Freund ſeiner
—
—
— —
———


