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zeihungen ſind eingetroffen, Georg! Ich bin ſo arm und elend und gedemüthigt, wie es mein bitterſter Feind nur wünſchen kann.“
„Davon ſpäter! Jetzt kommſt du mit mir auf mein Zimmer und erzählſt mir dort, wie es dir ergangen iſt. Ich brenne vor Verlangen, Alles zu erfahren! He, Droſchke! Halt! Hier hinein, Richard! Und nun fort, was die Pferde laufen können, zum Hotel Rome!«
. Nach zehn Minuten ſaßen die beiden alten Freunde in einem behaglichen Zimmer, und Georg betrachtete mit inniger Theilnahme die bleichen, abgehärmten Zuüͤge Richards, den er erſt vor zwei Jahren in der Fülle des Glückes verlaſſen hatte. Richard aber erzählte kurz
und bündig, was er ſeit jener Zeit erlebt und gelitten hatte.
„Meine Geſchichte iſt nicht lang, Georg,“ ſagte er. „»Noch ein paar Monate nach deinem letzten Beſuche lebte ich in Saus und Braus dahin, da, in einer ein⸗ zigen böoͤſen Nacht, ſtürzte plötzlich das ganze luftige Gebäude meines vermeintlichen Gluͤckes uͤber mir zu⸗ ſammen. Einige Nächte vorher hatte ich bedeutende Geldſummen im Spiele verloren, und in jener Nacht wollte ich meinen Verluſt erſetzen. Ich ſpielte wieder, und zwar wie ein Raſender. Da ich verlor, ſuchte ich meinen Aerger durch Champagner zu vertreiben, und regte mich dadurch noch mehr auf, ſo daß ich faſt aller Ruhe und Beſinnung bar wurde. Bei Anbruch des Tages war ich fertig, das heißt, ich hatte Alles verloren und noch Schulden obendrein ge⸗ macht. Der Verkauf meiner Möbel, meiner Bilder, meiner Pferde und Wagen reichte eben hin, dieſe Schul⸗
den zu decken, und ich behielt kaum noch ſo viel übrig,
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