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Sein Benehmen mußte ihm wohl ſehr gefallen ha⸗ ben, denn als Georg die nöthige Verordnung gegeben und das Ziminer wieder verlaſſen hatte, folgte ihm der Fürſt auf dem Fuße nach, holte ihn nach wenigen Schritten ein, und ſagte:„Gehen Sie doch mit mir, lieber Doktor! Sie ſollen meinen Sohn beſuchen!“
Georg war freudig erſtaunt.„Aber der Geheimerath, Durchlaucht?« warf er ein.
„Der Geheimerath ſoll Sie nicht ſtören. Ich habe mich überzeugt, daß Sie ein pflichtgetreuer Menſch ſind, und ich vertraue Ihnen. Kommen Sie nur.“
Wer konnte ſich glücklicher fühlen, als Georg?
Der alte Kammerdiener machte große Augen, als er ganz wider alles Hoffen und Erwarten den Fürſten in Begleitung Georgs zurückkehren ſah, und es fehlte nicht viel, ſo hätte der alte Mann vor lauter Ent⸗ zücken einen Freudenſprung gethan. Georg aber trat an das Krankenbett des Prinzen und begann im Ver⸗ trauen auf Gottes Beiſtand ſeine Kur. Der Kammer⸗ diener erhielt Befehl, den Herrn Geheimerath fernerhin nicht mehr vorzulaſſen.
In der That war es hohe Zeit, daß der Prinz ge⸗ ſchickteren Händen als denen des fürſtlichen Leibarztes üͤbergeben wurde. Georg wich und wankte nicht von der Seite ſeines hohen Patienten, deſſen Leben ſo koſt⸗ bar für das ganze Land war, bis der glücklichſte Er⸗ folg endlich ſeine redliche Bemühungen krönte. Der Prinz genas von ſeinem ſchweren Siechthum. Nach vier Wochen konnte er das Bett verlaſſen, und einen Monat ſpäter blühte wieder die friſche Röthe der Ge⸗ ſundheit auf ſeinen Wangen. Das Land jubelte, Georgs Namen wurde überall geprieſen, und nur


