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Das große Loos : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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der Junge.Er liegt auf den Tod krank, und wir wiſſen uns keine Hülfe mehr.

Das iſt ſchlimm! Was ſagt der Geheimerath dazu?

Ach, Durchlaucht, das iſt ja eben das Unglück. Wir haben ſchon vier Mal heute nach ihm geſchickt, aber er kommt nicht.

Der Fürſt ſtutzte, forſchte den Jungen weiter aus, und erfuhr, daß der Herr Geheimerath nur zu häufig ſeine Pflicht vernachläſſige.

Laufe zum Doktor Heine, und bitte ihn, zu kom⸗ men, ſagte er.

Das getrau ich mir nicht, Durchlaucht,« erwiederte der Stallburſche.»Wir ſind ja noch tief in ſeiner Schuld von der Cholera⸗Zeit her. Da wollte der Herr Geheimerath auch nicht kommen, weil er ſich fürchtete, aber der Herr Doktor Heine war immer da, und kam immer wieder, bis Mutter und ich geſund waren. Aber wir ſind arm, konnten unſere Schuld bis jetzt noch nicht an den braven Herrn abtragen, und wagen es nun nicht, zu ihm zu gehen.

Geh du nur, mein Sohn! Bitte ihn zu kommen! aber höre wohl zu, kein Wort von mir! Nun geh!« 1 Der Junge ſprang davon, der Fürſt aber begab ſich in den Marſtall, zog noch einige Erkundigungen ein, und hörte da Manches über ſeinen Leibarzt, was ihm gar nicht gefiel. Mittlerweile kehrte der Reitburſche mit Georg zurück, welch' Letzterer, wie immer, ſofort bereit geweſen war, dem Kranken Beiſtand zu leiſten. Der Fürſt trat ſtill in das Krankenzimmmer, und be⸗ obachtete Georg.