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Das große Loos : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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könnte. Die Ehre möchte in Gottes Namen dem Ge⸗ heimerath bleiben. Ich gehe mit Ihnen!

Sie begaben ſich nach dem Schloſſe, und Georg brachte länger als eine Stunde bei dem Prinzen zu.

Ich hoffe, noch kann er gerettet werden, ſagte er dann zum Kammerdiener.»Aber freilich, dazu würde vor Allem gehören, daß ich vollkommen frei handele, und daß Niemand mich ſtoren dürfte.

Ich will einen Verſuch machen, erwiederte der Kammerdiener.Dieſen Morgen noch ſpreche ich mit meinen gnädigſten Herrn!

Er hielt Wort, aber der Fürſt hatte kein Ohr für ihn! ſondern ſchüttelte nur traurig den Kopf.

Doktor Heine iſt gewiß ein tüchtiger Arzt, ich ſchätze ihn, aber wie ſollte er heller ſehen, als drei der be⸗ rühmteſten Aerzte in der Welt, entgegnete er.Ver⸗ trauen wir auf Gottes Hülfe.«

Der Verſuch war gemacht, aber fehlgeſchlagen. Der wackere Kammerdiener trug ſich ſchon mit dem ver⸗ zweifelten Gedanken, Georg heimlich als Arzt zuzuzie⸗ hen, und jeder daraus für ihn entſpringenden Gefahr, ſelbſt der Ungnade ſeines Herren Trotz zu bieten, als Gott noch zu rechter Zeit wirklich half, und der Ent⸗ ſchließung des Fürſten eine andere glückliche Wendung gab.

Am Nachmittage deſſelben Tages, machte der Fürſt in ſeiner Betruüͤbniß einen einſamen Spaziergang durch den Park. Bei der Rückkehr nach dem Schloſſe kam er am Marſtalle vorüber, und fand hier einen jungen Reitburſchen in Thränen.

Warum weinſt du?« fragte er ihn gütig.

Ach Durchlaucht, mein armer Vater! ſchluchzte