als der Zuſtand des jungen Prinzen ſich nicht beſſerte, ſondern eher verſchlimmerte, wollte der fürſtliche Leib⸗ arzt nichts von ſeinem Collegen wiſſen. Der alte Kammerdiener faßte ſich endlich ein Herz.
„Halten zu Gnaden, Durchlaucht,“ ſagte er,„da iſt der Doktor Heine, man ſollte doch einmal zu ihm ſchicken. Vier Augen ſehen zuweilen mehr, als zwei.«
„Du haſt recht, ich will mit dem Geheimerath dar⸗ über ſprechen, gab der Fürſt zur Antwort, und am
nämlichen Tage noch deutete er an, daß er den Dok⸗
tor Heine zugezogen wünſche.
„Wie Durchlaucht befehlen,“ erwiederte der Ge⸗ heimerath geſchmeidig,„doch möchte ich gnädigſter Be⸗ urtheilung anheimſtellen, ob es nicht beſſer wäre, lieber den berühmten Profeſſor K...... von Halle kom⸗ men zu laſſen. Doktor Heine mag ein guter Arzt ſein, doch die Erfahrung mangelt ihm, und bei einem ſo koſtbaren Leben, wie das unſers theuren Erbprinzen, ſollte man möglichſt ſicher zu Werke gehen.
Ein bedenkliches Achſelzucken unterſtützte die Wirk⸗
ſamkeit ſeiner Worte, und die Folge war, daß ſchon eine Viertelſtunde darauf eine Stafette nach Halle ab⸗ ging, um den berühmten Profeſſor zu berufen. Die Stafette kehrte zurück, aber der Profeſſor kam nicht. Er lag ſelbſt krank darnieder, und ſchickte nur zwei Zeilen mit den Worten:„Sie haben ja dort den Dok⸗ tor Heine, was bedürfen Sie meiner. Fragen Sie ihn um Rath.“ Geheimerath Bernſtorf erblaßte vor Aerger als der Fürſt ihm dieſe Zeilen hinreichte, aber ſchnell genug wußte er ſich zu faſſen. Der Profeſſor verwechſelt un⸗ ſeren Heine augenſcheinlich mit dem berühmten Berliner


