103 und nach Jahr und Tag ſtand der Geheimerath wieder ſo hoch in der Gunſt des Fürſten, wie nur je.
Aber Georg beneidete ihn darum nicht. Er glaubte nun ſchon das große Loos des Lebens gewonnen zu haben. Seine Praxis reichte vollkommen aus, ihm eine behagliche Exiſtenz zu ſichern, und in ſeiner Be⸗ ſcheidenheit hielt er dies fuͤr das höchſte Glück, das ihm irgend zu Theil werden konnte. 4
Anders dachten darüber Frau Willig und der alte Kammerdiener des Fürſten, wie aus den Geſprächen
derſelben hervorging, wenn ſie gelegenheitlich ein Stünde⸗ weiter nichts geredet, als nur immer von dem guten, braven Doktor Heine, und Frau Williig zeigte ſich mit⸗ unter ſehr unwillig darüber, daß ihr lieber Miethsmann
chen mit einander verplauderten, da wurde faſt von
nicht ſchon längſt fürſtlicher Leibarzt geworden ſei.
„Sie ſind allein daran ſchuld, Vetter, daß er's nicht iſt.“ gab ſie dem alten Kammerdiener unverblümt zu verſtehen.„Wenn ſie nach der Rückkehr aus Italien der Durchlaucht die Augen über den ſauberen Herrn Geheimerath geöffnet hätten, würde er ſchon längſt den Laufpaß erhalten, und ein Anderer, der es mehr ver⸗ dient, ſeine Stelle eingenommen haben. Aber ſtatt deſſen, ſchweigen ſie ſtill, wie alle Uebrigen, und nun iſt eben Alles beim alten geblieben! Sie ſind daran ſchuld! Vetter.“
Der Kammerdirner vextheidigte ſich.„Das ver⸗ ſtehen ſie nicht, Frau Muhme!“ antwortete er.„Große Herren lieben es nicht, daß man ſo glatt weg mit ihnen ſpricht, wie mit anderen Leuten. Da muß man hübſch vorſichtig zu Werke gehen. Geſetzt, ich hätte meinem
gnädigſten Herrn geradezu geſagt: Durchlaucht, das und


