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Das große Loos : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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wußte es aber ſo ziemlich die ganze Stadt; und man ſprach öffentlich davon mit unverholenſter Verachtung. Niemand wollte mehr ſein Leben und ſeine Geſundheit einem Manne anvertrauen, welcher ſo kläglich die Flucht ergriff, wo er tapfer hätte ſtreiten und kaͤmpfen müſſen, wenn er ſeiner Pflicht nur einigermaßen wäre eingedenk geweſen; und ſo kam es, daß man ihm faſt überall, wo er bis dahin Hausarzt geweſen war, bald höflich, bald unhöflich, aber ſtets in ſehr entſchiedener Weiſe andeutete, daß man ſeiner Dienſte ferner nicht bedürfe.

Der Geheimerath war außer ſich vor Beſchämung und Wuth, aber das konnte nun nichts weiter helfen. Georg hatte ihm vollſtändig den Rang abgelaufen, und er mochte ſich noch glücklich ſchätzen, daß er nicht auch noch ſeine Stellung als fürſtlicher Leibarzt einbüßte. Hier allein wandte ihm das Glück noch ein günſtiges Lächeln zu, denn der Fürſt hatte kurz vor dem Aus⸗ bruche der Cholera eine Reiſe nach Italien angetreten, wo er den ganzen Winter über blieb, und erſt im Frühlinge des folgenden Jahres zurückkehrte. Nach ſo langer Zeit war Manches vergeſſen, und von der Cho⸗ lera wurde kaum mehr geſprochen. Wenn der Fürſt auch wirklich von dem feigen Benehmen des Geheime⸗ raths munkeln hörte, ſo glaubte er entweder den ver⸗ breiteten Gerüchten nicht, oder hielt ſie doch für äußerſt übertrieben. Außerdem ſorgte auch der Geheimerath dafür, ſeine Haltung im vortheilhafteſten Lichte darzu⸗ ſtellen. Ein augenſcheinlicher, greifbarer Beweis gegen ihn lag nicht vor, da Georg, wie ſchon erwähnt, viel zu edel und großherzig war, um Zeugniß gegen ihn abzulegen. So kam die ganze Sache in Vergeſſenheit,