Druckschrift 
Das große Loos : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

99

ſchen nahe, als ſie plöͤtzlich während einiger heißen Tage mit erneuerter Heftigkeit auftrat. Doch auch die⸗ ſer Sturm wurde überſtanden, und Georg war eines Abends ſpät im Begriff, das Lazareth zu verlaſſen und in ſeine Wohnung zu gehen, und wo moöglich einige Stunden ruhigen Schlafes zu genießen, als noch im letzten Augenblicke athemlos der Diener des Geheime⸗ raths Bernſtorf gelaufen kam und den Doktor Heine erſuchte, um Gotteswillen ſogleich nach dem Hauſe ſeines Herrn zu kommen, indem deſſen Frau und Toch⸗ ter von einem ſehr gefährlichen Anfalle der Cholera er⸗ griffen ſeien.

Ich werde kommen auf der Stelle!« erwiederte Georg bereitwillig.Aber iſt denn der Herr Geheime⸗ rath nicht zur Hand, um Hülfe zu leiſten?

Oh der!« entgegnete der Diener mit einer Verach⸗ tung, die zu verbergen er ſich gar nicht die Mühe gab, der ſitzt in ſeinem Arbeitszimmer, vor drei Fla⸗ ſchen Rothwein und zittert vor Angſt! Er iſt nicht zu bewegen ſeiner eigenen Familie beizuſtehen, und er ge⸗ rade ſchickt mich zu Ihnen, weil er ſich nicht getraut, der böſen Krankheit in's Auge zu ſehen.

Oh der Schmach!« murmelten Einige von den Krankenwärtern voller Unwillen. Georg aber gebot ihnen Ruhe, nahm zwei von den Leuten mit, und eilte nach dem Hauſe des Geheimerathes.

Es war die höchſte Zeit, daß er kam, denn die beiden Kranken ſchwebten in großer Gefahr, welche je⸗ doch noch glücklich abgewendet wurde. Der Herr Ge⸗ heimerath ließ ſich nicht blicken, und Georg, um ſich zu überzeugen, ob er denn wirklich nur von feiger Angſt zurückgehalten würde, ſuchte ihn, bevor er das Haus