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Faſt täglich kamen Boten in das Lazareth mit der flehenden Bitte, Georg möchte in dieſes oder jenes Haus kommen, wo irgend ein Mitglied der Familie plötzlich erkrankt war. Sehr häufig forderte man bei dieſer Zeit der Noth ſeine Hülfe in Häuſern, die er früher niemals als Arzt betreten hatte. Dennoch eilte Georg hin, ohne auf dieſen Umſtand Rückſicht zu neh⸗ men, und ſpendete Hülfe, ſo viel er vermochte. Aber da kamen Tage, wo ſeine Anweſenheit im Lazarethe unumgänglich nothwendig war, und nun ſagte er: „Geht zum Geheimerath Bernſtorf! Ihr ſeht wohl, daß ich nicht von der Stelle kann.“
Die Boten gingen, kehrten aber bald wieder zurück, und brachten den Beſcheid, der Herr Geheimerath wäre ſelber unpäßlich und könne ſein Haus nicht verlaſſen. Da war guter Rath theuer.
„So bringt die Kranken hieher!“ ſagte Georg.
Das geſchah denn auch in den meiſten Fällen, und Georg mußte ſeine Anſtrengungen verdoppeln, obgleich er ſchon faſt über alle menſchliche Kräfte in Anſpruch genommen war. Selbſt die einfachen Krankenwärter konnten nicht umhin, ihrer Bewunderung Luft zu machen und die Beſorgniß auszuſprechen, daß er zuletzt der unerhörten Anſtrengung erliegen müſſe.
„Und was ſoll denn werden?“ fügten ſie mit ban⸗ ger Theilnahme hinzu.
„Sorgt nur nicht für mich, gute Leute!« lautete Georgs Antwort.„»Gott wird Kraft und Ausdauer geben, und wir müſſen eben unſere Pflicht thun.“
„Ja, wenn nur gewiſſe andere Leute auch ſo däch⸗ ten,“ murrte da und dort eine Stimme.„»Aber es iſt eine wahre Schande, daß ſich der Herr Geheime⸗
Das große Loos. 7


